Liköre (franz. liqueur, von lat. liquor = Flüssigkeit) sind aromatisierte Spirituosen mit einem hohen Zuckergehalt. In der EU gilt ein Likör als solcher, wenn er mindestens 100 g Zucker (als Invertzucker gerechnet) pro Liter Fertigprodukt enthält.
Der Alkoholgehalt liegt üblicherweise zwischen 15 und 35 % Vol., es gibt jedoch Ausnahmen:
- Chartreuse verte: 55 % Vol.
- sehr wenige Spezialitäten erreichen bis etwa 60 % Vol. (hierzu zählen einzelne regionale Produkte)
- Es existieren auch deutlich alkoholärmere Liköre.
Geschichte
Als Vorläufer der heutigen Liköre gelten unter anderem:
- aromatisierte Weine der griechischen und römischen Antike
- regionale Obst- und Fruchtweine, etwa Johannisbeerwein (schwarzer Ribisel) in Mitteleuropa
Diese Getränke waren zwar keine Liköre im heutigen Sinn, kombinierten aber bereits Aromen, Alkohol und Süsse.
Ab dem 14. Jahrhundert wurden Liköre zunehmend nicht nur als Heilmittel, sondern auch als Genussmittelhergestellt.
Da Zucker bis ins 17. Jahrhundert sehr teuer war, blieb der Likörgenuss zunächst den wohlhabenden Schichten vorbehalten.
Mit der Hochzeit von Katharina von Medici mit dem französischen Thronfolger Heinrich (1533) gelangten auch italienische Likör- und Küchentraditionen an den französischen Hof.
Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Zucker (u. a. durch Kolonialhandel) verbreitete sich die Likörherstellung stark.
In Frankreich existierten lange Zeit in fast jedem Ort lokale Liquoristen. Eine landesweite Markenverbreitung setzte jedoch erst im 19. Jahrhundert ein.
Definition
Liköre (Rechtliche Definition EU)
- mindestens 100 g Zucker pro Liter
- andere Zuckerarten erlaubt, sofern die Suessekraft entspricht
- jede Spirituose mit diesem Mindestzuckergehalt gilt rechtlich als Likör
Crèmes
- mindestens 250 g Zucker pro Liter
- Crème de Cassis: mindestens 400 g pro Liter
- hauptsächlich für Cocktails verwendet
Herstellung
Neben der klassischen Mazeration werden Liköre heute auch hergestellt durch:
- Mischung von Alkohol, Wasser, Zucker
- Zugabe von Fruchtsirupen oder Aromen
Die Farbe stammt häufig aus zugelassenen Farbstoffen, sowohl natürlichen als auch synthetischen.